Willkommen beim Pangea Projekt!

Im April 2015 gründeten wir unsere studentische Bildungsinitiative an der Universität Potsdam, die um den Austausch zwischen Menschen mit und ohne Fluchthintergrund in und um Potsdam bemüht ist. Das Projekt fördert mittels dieses aktiven Austauschs das Voneinander-Lernen und ein solidarisches Miteinander und kann somit einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zur Verwirklichung einer offenen und vorurteilsfreien Gesellschaft leisten.

Durch den Kontakt von Geflüchteten und Nicht-Geflüchteten erfahren wir von den Bedarfen der Menschen, auf deren Basis wir gezielt Projekte zu entwickeln versuchen. Zu diesen Projekten zählen unsere am Campus angebotenen Deutschkurse, ein selbstorganisierter Arabischkurs, eine Hausaufgabenhilfe, Aktivitäten in der Gemeinschaftsunterkunft Am Havelblick, eine Frauengruppe in Luckenwalde und das Schreiben einer Informationsbroschüre. Neben Studierenden kann sich jede*r bei uns engagieren und durch unser Netzwerk Unterstützung an verschiedenen Stellen leisten, sowie Hilfe für eigene Projekte in der Geflüchtetenarbeit finden. Refugees are welcome, natürlich auch in unserer Hochschulgruppe!

Die Idee hinter dem Pangea Projekt

Vor etwa 300 bis 150 Millionen Jahren existierte der Superkontinent Pangea (altgriechisch πᾶν pān „ganz“ und γαῖα gaia „Erde“, wörtlich also „Ganze Erde“). Auch wenn gegenwärtig natürliche Grenzen, wie Meere und Wüsten, und künstliche Barrieren, wie die EU-Außengrenzen, zahlreiche Menschen unterschiedlicher Herkunftsländer voneinander trennen, so leben wir immer noch alle in derselben Welt, die zunehmend geprägt ist durch starke Wechselbeziehungen, sei es auf politischer, wirtschaftlicher, kultureller, ökologischer oder persönlicher Ebene.

Vor Missständen in allen Teilen der Welt, ebenso wie vor deren Ursachen und weiteren – oftmals hausgemachten – Problemen im Zusammenhang mit der globalen Verantwortung hierzulande können und wollen wir nicht die Augen verschließen. Menschen werden aufgrund von Krieg, Verfolgung und existentieller Not gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen, um an einem anderen Ort Zuflucht zu suchen. Im sicheren, friedlichen, wohlhabenden Deutschland werden sie neben alltäglichen Problemen mit den Behörden und der Herausforderung des Zurechtfindens in einem zunächst unbekannten Land oft mit Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Isolation konfrontiert.

Wir wollen diesem gesellschaftlichen Versagen entgegenwirken und die vertriebenen Menschen mit offenen Armen empfangen. Wir verlassen uns nicht auf eine Politik, die von Quoten, Kosten und Kapazitäten spricht, während es gilt, ein Menschenrecht umzusetzen.

Unser Selbstverständnis

Mit der Intention, Geflüchtete willkommen zu heißen, sich mit ihnen zu solidarisieren und sie im Rahmen unserer Möglichkeiten als ehrenamtlich tätige Studierende zu unterstützen, setzen wir uns zum Ziel, eine langfristige Kooperation zwischen der Universität Potsdam, sogenannten Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete in und um Potsdam, themenspezifischen Organisationen und Initiativen, sowie interessierten Einzelpersonen ins Leben zu rufen und aufrecht zu erhalten.

Mit Hilfe dieser Kooperationen möchten wir Strukturen aufbauen, die es allen Beteiligten ermöglichen, Angebote, Projekte, Aktionen oder Demonstrationen zu schaffen, die die Lebenswelt geflüchteter Menschen thematisieren, über sie aufklären oder sie positiv beeinflussen. Die Ziele sollen auf unterschiedlichen Ebenen erreicht werden können: durch Aufklärung (Wissensvermittlung und Weiterbildung), durch Aktion (Projekte mit Geflüchteten) und durch eine transparente Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung.

Wie bei vielen Menschen stoßen die restriktive Asylpolitik Europas und Deutschlands und die Diskriminierung Geflüchteter bei uns auf Unverständnis. Europäische und deutsche Asyl- und Ausländergesetze behindern eine menschenwürdige und langfristige Niederlassung für Geflüchtete in Deutschland. Die Inanspruchnahme ihrer Rechte und gesellschaftliche Teilhabe sollen allen Geflüchteten in ihrer Individualität erleichtert und eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen gewährleistet werden. Geflüchtete sollen selbst für eigene Belange eintreten und ein selbstbestimmtes Leben führen können.

Unser Ehrenamt sollte nicht dazu dienen müssen, Versäumnisse des Staates auszugleichen. So besteht beispielsweise ein Mangel an günstigen Wohnungen sowie Möglichkeiten die Grundkenntnisse der deutschen Sprache zu erwerben, welche unserer Meinung nach Voraussetzungen für Partizipation und Inklusion darstellen und vom Staat unbedingt gewährleistet werden müssen. Die Möglichkeit von Abschiebung unserer Projektteilnehmer*innen und Mitglieder wirkt destruktiv auf unsere Arbeit und mindert auch die allgemeine Motivation. Dennoch – oder gerade deswegen – versuchen wir eine Anlaufstelle für Geflüchtete und ihre Unterstützer*innen darzustellen, um unsere Ziele über Austausch, Zusammenarbeit und Solidarität zwischen Geflüchteten und Menschen mit einer privilegierenden Staatsbürgerschaft zu erreichen.

Dabei lehnen wir jegliche Formen von Rassismus, Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Feindlichkeit gegenüber Religionen, Sexismus und Gewalt ab. Wir stehen für ein offenes Willkommenheißen, für Solidarisierung und für ein menschenwürdiges Miteinander. Unsere von Studierenden initiierte Vereinigung steht allen Menschen mit und ohne Fluchthintergrund offen.

Unser Selbstanspruch

Unsere praktische Arbeit besteht in erster Linie im Gestalten von Bildungs-, Beratungs- und kulturellen Angeboten für Geflüchtete. Im Mittelpunkt steht hierbei das Mit- und Voneinander lernen. Wir sind uns der Verantwortung bewusst, die in der Arbeit mit Menschen liegt, weshalb unser erstes Interesse der Etablierung und nachhaltigen Aufrechterhaltung kontinuierlicher und langlebiger Angebote gilt. Die Möglichkeit zur Weiterbildung unserer Mitglieder ist integraler Bestandteil unserer Arbeit. Wir möchten qualifiziert agieren und unterstützen den Kompetenzerwerb aller Beteiligten. Vernetzung und Kooperation mit anderen Institutionen gehören ebenfalls zu unserem Selbstverständnis. Ein fruchtbarer Austausch aller Statusgruppen und Organisationen ist die Grundlage für ein langlebiges Netzwerk, das sich dem Bedarf der Geflüchteten widmet und eine Willkommenskultur ermöglicht, die ein Ankommen in dieser Gesellschaft erleichtert.