Vorstellung des Teilprojekts: Gemeinschatliches Kochen in Luckenwalde – Kulturaustausch in der Küche

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Gemeinschaftliches Kochen – eine Insiderperspektive

Als ich mich entschieden habe bei Pangea mitzumachen, hatte ich noch keine richtige Vorstellung vom Umfang und der Gestaltung des studentischen Projekts. Im ersten Einführungsseminar wurden die Teilprojekte vorgestellt, ziemlich viele, die einen sehr breiten Teil möglicher Hilfe abdecken – von Unterstützung in Erstaufnahmestellen über Einzelprojekte wie Sportevents und Theateraufführungen bis zu langfristiger Integrationsarbeit wie Hausaufgabenhilfe oder Deutschkursen. Mitten drin das kleine, unspektakulär scheinende Teilprojekt ‚Gemeinschaftliches Kochen in Luckenwalde‘. Ich dachte: Das schaue ich mir mal an, Kochabende sind immer gut und eine ausgeglichene Möglichkeit des Kulturaustauschs, also sich auf Augenhöhe zu begegnen mit Menschen anderer Erdteile, die das Schicksal zu uns bringt, weil sie Schutz suchen und Hilfe brauchen.

Kulinarischer Kulturaustausch: Humus neben Obstsalat

Der erste Abend war relativ schnell geplant und wir hatten uns auf ein Gericht eingestellt und wollten einkaufen gehen. Eine Kommilitonin von mir bekam dann am Vorabend eine SMS: Als Dankeschön für unseren Aufwand wollten die Teilnehmer, größtenteils Syrer, für uns kochen und haben selbst etwas vorbereitet. Das hat mal wieder eins gezeigt: was Gastfreundschaft für ein toller Wert ist, anderen Menschen Freude zu bereiten und sich für sie ins Zeug zu legen unabhängig von der eigenen Situation. Da fängt es schon an mit dem Kulturaustausch, wir Deutschen könnten uns in so manchen Dingen ruhig eine Scheibe abschneiden.

Zwei Freundinnen und ich waren zum ersten Mal mit dabei, aus kulinarischer Perspektive dann natürlich hoch interessiert, aber auch aufgeregt. Mögliche Sprachbarrieren, peinliches Schweigen, Fettnäpfchengefahr, das alles beschäftigt einen schon vorher und stellt sich im Nachhinein dann doch als unbegründet heraus. Kurz gesagt: Wir hatten einen super Abend und jetzt ein paar syrische Humusrezepte mehr in der Tasche. Es war superlecker! Eigentlich haben wir alle vergessen, warum wir überhaupt da sind. Man hat zusammen gelacht, sich gefreut, gesmalltalked, zusammen Fotos gemacht und die ein oder andere Handynummer ausgetauscht. Offenheit lohnt sich.

Ein Restproblem bleibt dennoch, wie immer nichts Überraschendes. Was läuft schon perfekt? Zum Kochen kamen nur Männer, weswegen die Frauen in der Flüchtlingsunterkunft geblieben sind. Gleichberechtigung ist noch nicht überall ein Thema. Aber auch das gehört zum Kulturaustausch dazu: Was in meinen Augen ein Problem ist, ist für andere normal. Natürlich muss sich das hier ändern, aber ich denke, mit der Faust auf den Tisch zu hauen ist keine Lösung. Integration ist ein langer Prozess und eine kontinuierliche Willkommenskultur, die Rückschläge einstecken muss, der Weg dazu. Wir planen jetzt, ein Kochen nur für Frauen zu veranstalten. Das gestaltet sich schwierig, aber es wäre doch schade, wenn es nicht doch irgendwann klappt.


Vielleicht sogar mit Deiner Hilfe?

Wenn Du eine Idee hast und mitmachen möchtest, melde Dich auf jeden Fall bei uns! Mehr Informationen zu Anfahrt und Terminen findest Du auf der Infoseite zum Teilprojekt ‚Gemeinschaftliches Kochen in Luckenwalde.‚ Schreib uns atürlich auch gern, falls Du Fragen hast oder noch mehr über das Teilprojekt wissen willst.  Wir freuen uns auf Deine Mail:

info[at]pangea-projekt[punkt]de

Anja Schulze


~ English ~

Joint cooking – an insider’s perspective

I did not join Pangea with any particular expectation in mind. When the sub-projects were introduced, I noticed what a broad support Pangea offers: from German lessons over welcome parcels to sports events and theatre projects. But what struck me most was indeed a tiny project called “cooking in Luckenwalde”.
I liked the possibility to encounter a help seeking person forced to come here by war and violence on a face to face level of cultural exchange. So highly motivated, we planned the first session in November. On the due date’s eve, we received the message that we should not prepare too much – some thank-you had been arranged for us. That showed one thing to me: hospitality is great a value and unfortunately seldomly part of German mentality.
E
ven more interested but also fairly nervous we went to Luckenwalde. Language barrier, awkward silence… Things bother you of course. In fact, all concerns turned out to be nonsense! We had a wonderful night out and delicious food and went back home with one or the other humus recipe and exchanged phone numbers. Our original purpose as refugee-helpers had been squeezed by the atmosphere of laughter and fun, it was a complete success.
However, we encountered one issue: no woman appeared to cook with us because there were too many men around. Gender inequality is an annoying issue we have to face – integration is a long process and only achievable through a constant welcoming culture. Hopefully we will manage to have a girl’s cooking session soon.


Maybe with your help?

Your creative input and your supportive ideas are always welcome. Make sure to have a look at the info page of the cooking project for details concerning dates and how to get there. In case you have questions or want to know more about the sub-project, let us know, we are looking forward to your message! 

info[at]pangea-projekt[dot]de

Anja Schulze